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Regie: Andreas Herrmann
"Die Panik" ist der fünfte Teil eines siebenteiligen Zyklus, der Heptalogie des Hieronymus Bosch. Der 1970 geborene Rafael Spregelburd zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren Argentiniens. Im Prado in Madrid stiess er auf Hieronymus Boschs berühmte Bildtafel mit der kreisförmigen Darstellung der Sieben Todsünden. Seitdem schreibt er an einem Zyklus, in dem er nach den modernen Entsprechungen von Zorn, Hochmut, Wollust, Trägheit, Völlerei, Habgier und Neid forscht. In "Die Panik" geht es um das zeitgemässe Äquivalent zur Trägheit - des Herzens und des Geistes. Die entsprechende Bosch-Szene zeigt eine Person, die sich nach getaner Arbeit in einen Sessel fallen lässt, "anstatt sich der verwirrenden Aufgabe zu widmen, das Wort Gottes zu lesen, das sich ihr in einer aufgeschlagenen Bibel anbietet, verführerisch aber sicherlich schwierig, und in Latein". Was Spregelburd aus diesem Motiv entwickelt, ist eine schnelle, fulminante Spielvorlage - eine aberwitzige Geschichte zwischen Familiensaga und Kriminalstück, zwischen Horrorfilm und kunstvoll komponierter Seifenoper. Emilio wurde tot in der Wohnung seiner Geliebten Regina gefunden. Seine Ehefrau Lourdes und die gemeinsamen Kinder Jessica und Guido sind verzweifelt auf der Suche nach dem Schlüssel von Emilios Bankschliessfach. Ihre Not treibt sie auf verworrene Wege: zur Chefin der Bank, zum Familientherapeuten, zu einer überspannten Party und zu der Hellseherin Susana Lastri. Diese soll Kontakt aufnehmen zum verstorbenen Emilio, der von seinem Ableben indes nicht die leiseste Ahnung zu haben scheint. Parallel steckt die Tochter Jessica in der Arbeit für ein zeitgenössisches Tanzstück der Choreografin Elyse Bernard. Besonders dass die Choreografin so beharrlich auf die Arbeit am "Vatermoment" besteht, bleibt den Tänzerinnen ein Rätsel. Erst als Emilios Geist auftritt, um die Legende vom "Buch der Toten" zu erzählen, scheint die verworrene Choreografie einen spirituellen Sinn zu entfalten. Die Geschichte endet und bleibt dennoch Labyrinth. "Es gibt so viele Wege", sagt die Mutter Lourdes, "die alle nirgendwohin führen". | 1 |
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Kann man heute noch eine individuelle Biografie haben? Es wird schlecht ausgehen. Sehr schlecht. Ein polemischer Abend. Mit brutaler Poesie schafft Rodrigo García unbekannt wütendes Theater, das nicht einverstanden ist. Die Drei-Personen-Performance ist Garcías surreal-groteske Abrechnung mit den heutigen Werten. In intimen Monologen beschäftigen sich Garcías Darsteller mit ihrer eigenen Versklavung. Was bin ich und was macht das System mit mir? Wie schafft man es, eine authentische Persönlichkeit zu sein unter den Bedingungen des globalisierten Konsums? Die Werbung suggeriert uns Individualität. Wir wissen, dass wir Konsumisten sind, weder authentisch noch individuell. Die öffentliche Selbstanalyse Garcías wechselt zwischen schwarzer Komödie, privater Anekdote und Hardcore-Aktionismus. Er entwickelt viel Fantasie und Kraft, um uns die Banalität unseres Daseins vorzuführen. Im Laufe des Abends wird die Bühne zum persönlichen Schlachtfeld und zu einer Apokalypse der Moderne.
Rodrigo García, selbst am Rande von Buenos Aires aufgewachsen und kein Kind der Mittelschicht, weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Er gründete 1989 in Madrid das La Carnicería Teatro. Er hat 17 Stücke geschrieben und ist mit seinen bösen Performances auf der ganzen Welt eingeladen. | 3 |
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Regie: Andreas Herrmann
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Regie: Andreas Herrmann
Wie Umrisse tauchen die Figuren in Alejandro Tantanians spielerischem Theaterkosmos auf und verschwinden wieder darin. Eine Frau wird von der Liebe zweier Männer verfolgt. Ein groß gewachsener Kerl muss nach einem letzten leidenschaftlichen Gefühlsausbruch klein beigeben. Diese Frau bleibt unerreichbar für ihn, wie auch für einen schmächtigen Burschen, der ebenfalls von Liebe zu ihr spricht. Nur Worte bleiben haften, sie überlagern sich, werden zu Gedanken und verdichten die Atmosphäre im Raum. Es ist wie bei Dostojewski: alles ergreifendste Fiktion. Zu erleben ist eine, nicht in religiösem Sinne, spirituelle Erforschung des Seins in der von Dostojewski erfundenen Vielstimmigkeit. Alejandro Tantanian lässt in seiner Funktion als Dramatiker und Regisseur bedeutsame Passagen aus "Der Idiot" erklingen, die enge Bezüge zum Leben der Schauspieler haben. Aus diesem subtilen Netzwerk entsteht die Hauptfigur des Theaterabends. Sie ist, wie viele Gestalten aus Dostojewskis Romanen, psychologisch fein gezeichnet , verblüffend realistisch, fast körperlich spürbar und dennoch unfasslich.
In argentinischem Spanisch mit deutschen Übertiteln. | 11 |
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Olga ist verzweifelt. Die berühmte Schauspielerin ringt um Worte. Diese Rolle will ihr einfach nicht gelingen. Tschechows "Kirschgarten" soll probiert werden. Sie, die Witwe Tschechows, hat selbst die Hauptrolle übernommen. Mascha, seine Schwester, und ein junger Star, Aleko, sind dabei. Sonst hat es keiner ins Theater geschafft. Draußen mordet die Revolution. Drinnen werden alle von ihren Gefühlen überwältigt: Aleko gesteht Olga schnell noch seine heimliche Liebe, und Mascha will mit Waffengewalt für die Gerechtigkeit kämpfen. Olga kann sich nicht konzentrieren. Das Theater ist am Ende. Da greift das Stück des jungen chilenischen Autors Guillermo Calderón ein: Geschickt legt er seinen Schauspielern authentisches biografisches Material, Zitate von Tolstoi, Dostojewski und Tschechow, gemischt mit Zeitzeugenberichten in den Mund und verhilft den drei verlorenen Gestalten auf ihrer Bühne zu virtuosem Spiel. Dieses ist einerseits verstörend und komisch wie bei Tschechow selbst. Andererseits führt es das Publikum aus dem Theater hinaus, ins Persönliche, ins Politische, ins Heute hinein und erzählt von der Kraft des Theaters selbst.
In chilenischem Spanisch mit deutschen Übertiteln.
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